Kolonialwaren  & Delikatessen 
 
          Karl Fritsche     
 
 
 
 
Kleinschönebeck - Königsallee 10
Heute Goethestraße 32
 
( 1924 / 1925  bis 1972 )
 
 
Anmerkung !  Dies ist eine rein private Seite und dient der Geschichtsdarstellung in unserem Gemeindeleben ( Die Seite erhebt aber keinen Anspruch auf  Vollständigkeit )
 
                 
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Im Jahre 1912 ließ Karl Fritsche das Wohnhaus errichten . Später folgte  der Anbau für sein Geschäft.
      So ca. 1924 / 1925 eröffnete Karl Fritsche sein Kolonialwaren & Delikatessengeschäft im Ortsteil Kleinschönebeck in dem Anbau . Seine Ehefrau Hedwig Fritsche "schmiss" aber den Laden :-)
   

Denn auf einer Ansichtskarte von Klein-Schönebeck war in einem Ausschnitt schon sein Geschäft abgebildet worden .

 

Bild Links : Werbung von 1930 in " Kleinschönebeck und seine Kolonien - Fichtenau - Grätzwalde - Hohenberge ". Bild Rechts : Der Firmenstempel von Karl Fritsche .

Im Angebot waren : viele Sorten Lebensmittel, Gemüse, Obst, Bier, Limonaden, Selters , Kuchen, Brot und Brötchen . Mehl und Zucker wurde in großen Säcken angeliefert .

 

Bild Links : Geschäfts und Wohnhaus von Karl Fritsche ca. 1935 und Bild Rechts : Telefonbucheintrag von 1940 .

Während des 2. Weltkrieges war es nicht einfach das Geschäft aufrecht zu erhalten . Mit "Delikatessen" war es nichts mehr . Die Geschäftsleute mussten zusehen wo sie etwas herbekamen . Teilweise besorgte man sich etwas bei den Bauern . Lange ging das auch nicht mehr  . Aber es gab auch Lebensmittelkarten für die Grundsicherung an Lebensmitteln in verschiedenen Gruppen . Man war auf die Anlieferung angewiesen und musste das genau abrechnen .

Hier einige der Lebensmittelkarten des so genannten " Dritten Reiches " . Nach Ladenschluss mussten dann die Ladenbesitzer die "Schnipsel" zu Listen kleben , was auch wieder viel Zeit in Anspruch nahm . Es musste alles ganz genau abgerechnet werden .

Nach 1945 und dem Kriegsende wurde es nicht besser ,im Gegenteil , von den Bauern konnte man nichts bekommen , die mussten ja ein gewisses "Soll" abliefern ,da blieb zum Verkauf nichts übrig . Den Geschäften wurden nun wieder Ware zugeteilt .

Hier wurden 1947 wiederum Lebensmittelkarten eingeführt , ebenfalls in verschiedenen Kategorien . Oft kamen die Waren die auf den Karten standen nicht zu den Geschäften . Der Hunger war überall groß ! Auch mussten wiederum die "Schnipsel" zu Listen geklebt werden für die Abrechnung . Schieberei sollte es nicht geben und wurde hart bestraft ! ( Lebensmittelkarten gab es bis Mai 1958 , die Kartoffelkarten bis 1966 ( z.B. Kohlenkarten wurden noch 1989 für 1990 durch die Gemeinde ausgegeben )

Viele Schöneicher versorgten sich auch selber in dem sie jedes freie Fleckchen des Gartens nutzten um Gemüse und Kartoffeln anzubauen . Obst von den Bäumen wurde gelagert und eingeweckt . Man musste ja irgendwie über die "Runden" kommen .

Als sich dann die Versorgungslage in den 1950er Jahren etwas besserte konnten auch wieder Dinge angeboten werden die es nicht auf "Karte" gab .  Limonaden und Biere wurde vom Getränkegroßhändler Steudel  in Berlin -Friedrichshagen bezogen . Dieser bezog seine Waren auch von der Friedrichshagener Brauerei "Berliner Bürgerbräu" ( Die Brauerei wurde 1869 gegründet . Im Jahre 1888 wurde die Brauerei in "Brauerei Müggelschlößchen" umbenannt . 1901 wurde dann der Familienbetrieb in eine "Gesellschaft Berliner Gastwirte" umgewandelt . 1920 gehörte Friedrichshagen dann zu Groß-Berlin . Ab 1936 nannte sie sich  dann "Berliner Bürgerbräu AG" und ab 1949 war es dann "VEB Berliner Bürgerbräu" . Nach der Privatisierung 1990 wurde diese dann am 1. März 2010 geschlossen . Die Namensrechte und viele Rezepte gingen an die "Radeberg-Gruppe" und der "Oetker Konzern" hat da das Sagen. Alle Berliner Biersorten kommen heute aus keiner eigenständigen Berliner Brauerei mehr .Die "Radeberg Gruppe" und der "Oetker Konzern" lassen die Biere teilweise woanders herstellen und mit LKWs nach Berlin karren !!!  (Ein wirklich tolles Umweltbewusstsein hat man !!! ) . Die "Berliner Bürgerbräu" Biere werden heute in Hartmannsdorf (bei Chemnitz) hergestellt . Es ist aber geplant auf dem Gelände in Berlin -Friedrichshagen den Braubetrieb wieder aufzunehmen unter dem Namen " Köpenicker Bürgerbräu ", dann aber vorwiegend mit Bio-Biere ).

   

Wenn die Getränke einmal nicht ausreichten dann konnte man zum Beispiel  von der Ortsansässigen Likör und Mineralwasser-Fabrik  Karl Woydziak auch noch Bier und Limonaden ,bis ca. Mitte 1950er Jahre , beziehen ( Karl Woydziak hatte seinen Betrieb inzwischen auf  "Abfüllbetrieb"  umgestellt und belieferte Schöneicher Geschäfte und Gaststätten . Dieser Originalkasten mit den Original Flaschen befindet sich heute im Raufutterspeicher in einer Ausstellung ) . Da es nicht weit war bis zu Karl Woydziak  nahm man den Handwagen und holte die Kästen dann damit zum Geschäft .

Mehl und Zucker wurden damals in Säcken angeliefert .

Bild Links : Alter Mehlsack Bild Mitte : Schippe zum Eintüten Bild Rechts : Alter Zuckersack .

     

Die ersten Tüten nach dem Krieg stammten teilweise noch aus alten Beständen bzw. neue Tüten waren ohne Aufdruck zum Anfang . Oft waren Tüten aber Mangelware .Vieles wurde daher auch in Zeitungspaper eingewickelt . Darüber sang sogar später einmal in einer öffentlichen Live Fernsehsendung vor den "Parteioberen" die Helga Hahnemann ,was man alles in ein Zentralorgan (gemeint das ND - Zeitung der SED) in dem Titel "Berlin" einwickeln kann  (kurz vor der Veranstaltung wurde ihr zwar der Titel verboten , Helga sang ihn trotzdem als kleinen Protest , und als Walter Ulbricht damals dann klatschte , dann war auch dieser Titel ganz offiziell "abgesegnet" worden) .

Bild Links : So ähnlich sah die Waage in Geschäft aus , Bild Mitte : Mir solchen Waagen wurde in den Geschäften meist Äpfel , Rüben , Möhren und Kohl abgewogen . Bild Rechts : Solch eine Kasse soll auf dem Tresen gestanden haben . ( Bei der Seniorchefin war es auch möglich für gute alte Stammkunden zum Monatsende auch einmal anschreiben zu lassen - da gab es an der Kasse ein kleines Büchlein wo dann der Betrag bis zur Begleichung eingetragen wurde . Auch konnte man am Wochenende , wenn plötzlich Besuch kam , oder etwas fehlte nach Ladenschluss , auch einmal bei ihr "Hintenrum " einkaufen . )

Und wie wurde bezahlt ? Münze Anklicken !

    

Ein Tragenetz hatte damals fast jeder dabei , es konnte ja irgendwo etwas in den Geschäften geliefert worden sein .

   

Tragebeutel aus "Dederon" in verschiedenen Farben und Mustern konnte man  ab 1959 kaufen .

Ab Mitte der 1950er Jahre wurde in der DDR an der Entwicklung der Kunststofffaser - "Dederon" gearbeitet um Import  unabhängig zu sein . Zum 10. Jahrestag der DDR - 1959 gab es dann in den Geschäften die ersten Beutel - Kleider , Blusen , Kittelschürzen , und, und ,und also jede Art von Wäsche (schwitze man aber stark so roch man nach kurzer Zeit wie ein "Iltis" , war aber schnell trocknend und einfach zu reinigen - Kleinwäsche reichte schon).

Versorgung mit Kartoffeln !

  

Wie schon mit der Lebensmittelkarte war man auch mit der "Kartoffelkarte" in seinem Geschäft angemeldet . Die Kartoffelkarten gab es damals bis 1966 . Wenn die Winterkartoffel zum Geschäft angeliefert wurden geschah das meist mit LKW mit Hänger .

  

Hier kam es dann zu einem großen Arbeitsaufwand , bei "Fritsche`s" musste dann die ganze Familie mit ran beim Verkauf . Die Kartoffeln wurden in Jutesäcke gefüllt und wurden auf der Dezimalwaage abgewogen . Bild Rechts : Solch eine Waage kam dann zum Einsatz ( Das Bild der Waage stammt vom "Geflügelhof  Saballus - Karlsch" und ist eine Aufnahme von 2011 und auch noch ab und zu im Einsatz)

Mit allen möglichen Karren und Gefährten karrten die Leute dann Ihre Winterkartoffeln nach Hause .

   

Heutzutage werden diese alten "Bollerwagen" dekorativ in die Vorgärten gestellt oder sonst wo im Garten zur Schau hingestellt .

   

Hier sieht man ca: 1950 die "Verkaufsmannschaft" von  "Fritsche`s" !( Auf dem Bild v.l.n.r. : Frau Kollasch - Ladenbesitzerin , Hedwig Fritsche - Seniorchefin und Frau Sanftenberg - eine Verwandte .

Nach dem Tod von Hedwig Fritsche übernimmt Frau Kollasch den Laden als Eigentümerin .

Ende der 1950er Jahre wurde aus dem Privatgeschäft ein HO - Lebensmittelgeschäft ! ( HO - staatliche Handels-Organisation ) Frau Kollasch blieb aber weiterhin als Verkaufsstellenleiterin hier tätig .

Die Geschäfte erhielten nun auch ausreichend Tüten und Einwickelpapier . Die Tüten galten für HO und KONSUM und gab es in verschiedenen Größen  .

Bild Links : Buntere Tüten kamen auf den Markt , Bild Mitte : Zum Anfang erhielten die HO - Verkaufsstellen auch neue Kassen , Bild Rechts : Ein anderes Tütensortiment .

Als dann 1971 / 1972 an der Dorfaue ( in der Nähe der  Straßenbahnhaltestelle) eine neue HO - Kaufhalle gebaut und 1972 eröffnet wird , schließt die HO den Lebensmittelladen !

   

Die HO - Kaufhalle 1982  -   -   -    HO - Kaufhallen Logo

Die ehemalige HO Kaufhalle 2003 . Links im Anbau befand sich bis zum Abriss des Gebäudes ein privater Getränkemarkt .

 

 

 Danach wird der Laden zu einer Garage umgebaut . Nach 1990 finden dann Sanierungsarbeiten statt , alles befindet sich noch im Familienbesitz .

      

Quellennachweis :

1. Ein besonderes DANKE an die Monika die mir mit Informationen und Bildern behilflich war ,

2. Eigene Aufnahmen von 2003, 2009 u. 2011 ,

3. Internet "google" DDR-Verpackungen ,

4. Eigenes Bildarchiv .

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Erstellt : gartenwerner - Juli 2012