**  Häuser und deren Geschichte  **
 
im Ortsteil Fichtenau
 
                            
  Brandenburgische Straße 22 - Kindertagesstätte Zwergenhaus - Haus 1 - Träger der Einrichtung : Independet-Living-Kindertagesstätten für Brandenburg  GmbH
 
      
 

Diese Kindereinrichtung gab es schon zu DDR Zeiten und wurde von der Gemeinde Schöneiche betrieben . Heute hat diese Einrichtung auch einen regen Zuspruch und es wird viel unternommen mit den kleinen "Zwergen" :-)

Das Haus befindet sich noch außen (im September 2007) im Originalzustand , bis auf das Gitter am Fenster oben rechts (Schutzgitter für die Kleinen)

Zur Geschichte dieses Hauses

Ab 1949-1950 bewohnte dieses Haus in der damaligen Ernst Thälmann Straße Max Fechner mit seiner Familie . Ist heute noch an der Briefklappe zu sehen .(Wobei die Grafitti-Schmierer auch hier wieder aktiv waren - einfach dumme Menschen)

Max Fechner (SPD) und Otto Grotewohl (SPD) sowie Wilhelm Pieck (KPD) und Walter Ulbricht (KPD) gehörte in vorderster Reihe beim Zusammenschluß von SPD und KPD zur SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) im Jahre 1946 in der damals sowjetisch besetzten Zone .

v.l.n.r. Max Fechner 1946 - Wilhelm Pieck-Otto Grotewohl 1946  - Otto Grotewohl 1946 .                           

Max Fechner geb. 27. Juli 1892 in Berlin - gest. 13.September 1973 in Schöneiche .Er war Widerstandskämpfer und saß im KZ Oranienburg ein . Nach dem Krieg war er für den Zusammenschluß zur SED und war Mitglied des Parteivorstandes bzw. des Zentralkomitees der SED . Vom Oktober 1949 bis Juli 1953 war er der 1. Justizminister der DDR .

Zu seinem 60. Geburtstag 1952 bekam Max Fechner von Josef Stalin ein tolles Auto geschenkt , einen GAZ-12-SIM (Tshaika - auch Möwe genannt) , wovon wir Kinder natürlich begeistert waren als wir es sahen . Zu diesem Anlass fuhr hier im Ort die ganze Staatsführung und Staatsprominenz vor seinem Haus vor . Große Aufregung hier im Ort bei den Ortsoberhäuptern und Parteigenossen sowie Bürgern .

( Hier ein Bild von dem Auto - Bild aus dem GAZ-Museum in Nischni Nowgorod . Sein bisheriger Dienstwagenfahrer kam jeden Tag aus Berlin und fuhr dann Max Fechner von zu Hause ins Ministerium , da der Wagen ja hier zu Hause abgestellt war. Der Wagen stand auf dem Grundstück in der Autoauffahrt neben dem Haus , in die Tiefgarage unter der Terrasse passte dieser große Wagen nicht mehr .)

Denn bisher wurde Max Fechner am Morgen immer mit einem EMW (Eisenacher Motorenwerke) abgeholt .

Als Regierungsfahrzeuge wurden dann von diesem Typ schwarze Limousinen angeschafft .

Die Frontansicht dieses Autotyps .

Da das Auto sehr teuer war ( 1954 z.B. = 40.000 Rubel ) erhielt die DDR nur wenige Fahrzeuge und die waren für die Regierung bestimmt . Hergestellt wurde dieser Autotyp bis ca. 1956 / 1959 .

Das Auto GAZ-12-SIM wurde Max Fechner nach seiner Verhaftung sofort eingezogen !( Später weiter unter Zeitzeuge )

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Weil sich Max Fechner in einem Interview des Neuen Deutschlands (Parteizeitung der SED) am 30. Juni 1953 gegen eine Strafverfolgung der streikenden Arbeiter des 17. Juni 1953 ausgesprochen hatte , wurde Max Fechner als "Feind  des Staates und der Partei" seines Amtes enthoben ,aus der SED ausgeschlossen , verhaftet und zu 8 Jahren Zuchthaus in einem Geheimverfahren verurteilt .

Anmerkung : Scheinbar bezog sich Max Fechner auf die Verfassung der DDR vom 07. Oktober 1949 worin stand

ARTIKEL 9

(1) Alle Bürger haben das Recht, innerhalb der Schranken der für alle geltenden Gesetze ihre Meinung frei und öffentlich zu äußern und sich zu diesem Zweck friedlich und unbewaffnet zu versammeln. Diese Freiheit wird durch kein Dienst- oder Arbeitsverhältnis beschränkt; niemand darf benachteiligt werden, wenn er von diesem Recht Gebrauch macht.
(2) Eine Pressezensur findet nicht statt.

ARTIKEL 14

(1) Das Recht Vereinigungen zur Förderung der Lohn- und Arbeitsbedingungen anzugehören, ist für jedermann gewährleistet. Alle Abreden und Maßnahmen, welche diese Freiheit einschränken oder zu behindern suchen, sind rechtswidrig und verboten.
(2) Das Streikrecht der Gewerkschaften ist gewährleistet.

ARTIKEL 17

(1) Die Regelung der Produktion sowie der Lohn- und Arbeitsbedingungen in den Betrieben erfolgt unter maßgeblicher Mitbestimmung der Arbeiter und Angestellten.
(2) Die Arbeiter und Angestellten nehmen diese Rechte durch Gewerkschaften und Betriebsräte wahr.

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Ab da war die "Rote Hilde" Hilde Benjamin die Justizministerin in der DDR .

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Am 06. April 1968 trat eine neue Verfassung der DDR in Kraft .

Hier fehlten dann 1. Das Widerstandsrecht , 2. Das Verbot einer Pressezensur , 3. Das Auswanderungsrecht und 4. Das Streikrecht .

Weitere Änderungen traten am 07. Oktober 1974 in Kraft .

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Offizielles Gründungsbild der SED 1946 . Bis 1954 war das linke Bild in den Schulbüchern zu sehen , ab da nur noch das rechte Bild . Nach und nach verschwanden auch dort einige andere Personen aus dem Hintergrund des Bildes .So wurde Geschichte verändert !

Stalin lebte nicht mehr und überall fand eine große Endstalinisierung statt . Zum Beispiel in Berlin in der Stalin-Allee verschwand über Nacht die Stalin Büste und die Straße wurde in Karl Marx Allee umbenannt , Stalin Stadt in Eisenhüttenstadt .

Am 24. Juni 1956 wurde Max Fechner aus der Haft entlassen und zwei  Tage später amnestiert , im Juni 1958 wurde seine Parteimitgliedschaft wiederhergestellt . Max Fechner erhielt 1967 den Vaterländischen Verdienstorden ( Bild : Links ) sowie die Medaille für Kämpfer gegen den Faschismus 1933 bis 1945 ( Bild Mitte und Rechts ) Mit der Medaille war eine monatliche Ehrenpension verbunden .

                         

1972 wurde Max Fechner der Karl-Marx-Orden der DDR verliehen .

Für den Vaterländischen Verdienstorden und dem Karl-Marx-Orden gab es ebenfalls Geldaufwendungen .

Max Fechner war zu dieser Zeit noch einer mit der letzte Überlebenden vom Gründungsparteitag SPD - KPD  zur SED  und Mitbegründer der SED im Jahre 1946 .

Am 30. August 1972 erhielt auch Frau Fechner durch den Staatsrat der DDR den Vaterländischen Verdienstorden in Silber für langjährige aktive gesellschaftliche Tätigkeit verliehen .

Als Zeitzeuge kann ich folgendes berichten : Unsere Schule in der damaligen Schulstraße in Fichtenau und späteren Bruno H. Bürgel Schule lag ja nicht weit vom Wohnhaus von Max Fechner entfernt . Als Kinder bemerkten wir nur, es waren ganz einfache und normale Leute , mit dem Unterschied das Herr Fechner am Morgen immer mit einem Auto abgeholt wurde zur Arbeit . Und Autos waren damals noch etwas seltenes nach dem Krieg . Das Haus wurde nicht bewacht, keine Polizei und andere Bewachungen - ein Haus wie jedes andere in unserem Ortsteil . Wir Kinder wußten auch nicht wer das ist, nur Herr Fechner und Familie . Frau Erna Fechner kümmerte sich um Kinder, Jugendliche und ältere Menschen in der Gemeinde .

Das änderte sich allerdings nach der Verhaftung von Max Fechner 1953 , im Schulpark lagen "unauffällig auffällige Leute" (Staatsicherheit) hinter den Büschen und beobachteten das Haus , registrierten jeden der dort rein und herauskam . Das Geburtstagsgeschenk von Stalin ,das tolle Auto, stand auch nicht mehr auf dem Grundstück .Auch im Wald auf der Rückseite des Grundstückes waren diese Leute zu finden . Da Frau Erna Fechner keinerlei finanzielle Mittel zur Verfügung standen (berichteten dann unsere Eltern) so kamen etliche Besucher zu ihr mit Taschen und Beuteln und versorgten sie mit Holz, Kohlen und Esswaren .Alles mehr oder weniger heimlich . Damals hatten wir noch sehr strenge Winter . Unsere Eltern erzählten, dies seien alles ehemalige SPD Mitglieder die noch zu Frau Fechner hielten .

Nach der Haftentlassung von Max Fechner 1956 sah man ihn oft im Ort, zum Einkaufen und spazieren gehen . Zum Einkauf mit Tragenetz oder Beutel und in der anderen Hand eine Zigarre :-) Ein netter älterer Herr .

Im Jahr 1965 sind Erna und Max Fechner zu Besuch bei der Familie Scheele in Heiligendamm an der Ostsee . Günter Scheele war ein langjähriger Mitarbeiter und Freund von Max Fechner . Ebenfalls dabei waren der Sohn von Max und Erna Fechner , Harry und Schwiegertochter Edith .( Bild Links = Mitte , Bild Mitte = ganz Rechts) . Weiteres später unter Bilder von 1972 .

Ganz überrascht waren alle als wir 1966 im DFF (DDR Fernsehen) in der beliebten Fernsehsendung "Mit dem Herzen dabei" aus dem alten Friedrichstadtpalast am Schiffbauerdamm in Berlin mit Hans-Georg Ponesky dann Walter Ulbricht und Max Fechner auf der Bühne sahen .Walter Ulbricht und Max Fechner umarmten sich ,dann kam der berühmte Bruderkuss und ein herzliches Händeschütteln .Sie wechselten auch noch einige Worte . Habe die Sendung selber gesehen damals . Damit war dann auch eine offizielle Rehabilitierung vollzogen worden .

 

Hans-Georg Ponesky in seinen Sendungen "Mit dem Herzen dabei" und "Alles singt" .

   

Öffentliche Rehabilitierung im alten Friedrichstadtpalast - Berlin am 16.04.1966 - v.l.n.r. : Walter Ulbricht - Max Fechner - Hans-Georg Ponesky . ( W.Ulbricht überreichte Max Fechner den Blumenstrauß und anschließend gab es noch den obligatorischen "Bruderkuss" - hab ich alles selbst im TV gesehen ) - Bild: Bundesarchiv . Als Max und Erna Fechner spät Abends nach der Veranstaltung wieder nach Schöneiche kamen und in der Gaststätte "Kleiner Spreewald" einkehrten wurden beide klatschend und mit viel Beifall begrüßt . Es wurde danach noch kräftig gefeiert . Alter Schöneicher können sich daran noch erinnern und etliche waren damals dabei .

 

Hier Max und Erna Fechner im Jahr 1972 bei einem Besuch der Familie Scheele zu Hause .

So kannte ich selbst die beiden hier im Ort . Die Bilder der Besuche bei Familie Scheele, 1965 und 1972, stammen aus einem Video was es bei " YouTube " zu sehen gibt ! Hochgeladen von einem "Kummertal" am 01.10.2010 .

Hier der Link zum Video :

http://www.youtube.com/watch?v=LhpgTST0H6o

Als Max Fechner 1973 in seinem Haus in Schöneiche bei Berlin verstarb wurde er in der Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde beigesetzt .

.              Hier findet an jedem 2. Sonntag im Januar jeden Jahres die zentrale Gedenkfeier für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht statt .             

   

Grabplatte von Max Fechner . (aus google-2011)

.               .     Inzwischen auch Gedenkstätte für die Opfer des Stalinismus .        

Frau Erna Fechner lebte noch etliche Jahre in Ihrem Haus und als sie verstarb soll sie als Vermächtnis hinterlassen haben , Haus und Grundstück gehen an die Gemeinde Schöneiche b. Berlin  unter der Bedingung das nur eine Kindereinrichtung dort untergebracht wird . Zu DDR Zeiten wurde dieser Wille eingehalten , wie man heute sehen kann besteht dort immer noch eine Kindereinrichtung . Eine gute Entscheidung zum Nutzen aller in der Gemeinde .

1982 gab die Deutsche Post der DDR eine Briefmarke zu seinem 90. Geburtstag heraus

Nachtrag vom Juni 2009

Am 02. Juni 2009 entdeckt !

.Das *Max Fechner - Haus* , bisher Kindereinrichtung * Zwergenhaus * steht nun durch die Gemeinde zum Verkauf .        

   

         Da kann man einmal gespannt sein wer dann in diesem Haus seinen Wohnsitz nimmt . Wem es angeboten wird ! ( Es wäre schön wenn es eine Kindereinrichtung bliebe, vielleicht für eine Tagesmutti oder so . Dann würde auch der Letzte Wille  von Frau Fechner weiter Bestand haben - nur eine Kindereinrichtung ! - meine Anmerkung ! )         

Nachtrag vom November 2009

       Das " Fechner-Haus " ist im Oktober/November 2009 von der Gemeinde an Privat verkauft worden . Nun beginnen die Umbauarbeiten im Inneren

Nachtrag vom Okt. / Nov.  2010

 

An dem Haus wird weiter "gewerkelt" und eine Satelliten Antenne wurde angebracht . ( Okt.2010)

 

Der Innenumbau geht weiter . Auf dem Grundstück wurden Kiefern Bäume gekürzt bzw. gefällt . Scheinbar standen sie doch zu dicht am Haus im laufe der Jahrzehnte . Das " Zwergenschild " ist zwar noch am Haus , aber es wird wohl in Zukunft rein privat genutzt werden . (Nov.2010)

Eine Anmerkung von mir zu Max Fechner in eigener Sache !

Seit einigen Jahren beobachte ich schon das zu Max Fechner viel richtiges und viel Unsinn auf verschiedenen Internetseiten steht ! Sogar die Berliner Gedenkstätten verbreiten den Blödsinn es habe nie eine Rehabilitierung von Max Fechner gegeben bzw. die Einen meinen sogar er sei in Berlin verstorben ! Aber dort wollen doch solche Hochbezahlten und Hochgebildeten Leute sitzen die eine wahre Geschichte wiedergeben wollen !!! Nach der Wende wurde mir immer gesagt in der DDR wurde die Geschichte verdreht , aber wie sieht es bei diesen beiden Gedenkstätten heute aus ?! Habe diese beiden angeschrieben und um Berichtigung gebeten , aber leider kommt ja keine Antwort bzw. Reaktion zustande ! Glaube langsam man könnte viel Geld einsparen , wenn diese Leute sich nicht einmal in Bundesarchiven auskennen und diese benutzen ! ( Bild : Ulbricht - Fechner - Ponesky ). Und wieso ist dann Max Fechner mit diesen hohen Orden und Ehrungen ausgezeichnet worden , wenn er nicht Rehabilitiert war ? So doll hat man nun mit Orden und Geldern dafür auch nicht zu DDR Zeiten um sich geworfen !  Wer meine Seite sich angesehen hat wird zu anderen Ergebnissen kommen !

Nachtrag vom Dezember 2011

zum Grundstücksverkauf

   

Dominik Wessely , Filmregisseur , Dokumentarfilmer , Drehbuchautor und Professor für Dokumentarfilmregie an der Internationalen Filmschule Köln ist nach Schöneiche gezogen und hat das Grundstück von der Gemeinde erworben .

 

Aus seinen umfangreichen Werker hier 2 , Links : von 1998 und Rechts : von 2005 ( Weiteres zu Dominik Wessely später einmal ).

Quellennachweis :

1. Internet "google" , Geschichtsarchive und eigene Erinnerungen  als Zeitzeuge.

2. Eigene Aufnahmen  2007 - 2009,

3. Eigene Aufnahmen Okt. / Nov. 2010,

4. Bilder und Video aus " google " und " YouTube " - 2011,

5. Internet "google" , Dominik Wessely-Dezember 2011

sowie Info von Herrn Wessely .

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