Sanitätsrat             
 
Dr. med. Willy Hendrian
( * 1886  † 1964 )
 
( Bildausschnitt vom Dezember 1935 anlässlich seiner Geburtstagsfeier)
 
( Er war ein gebürtiger Ostpreuße , war nicht sehr groß , vor dem Kriege eher rundlich mit einem Kurzhaarschnitt und im Gesicht auf der Wange einen Schmiss aus seiner Studentenzeit - Studentenschmiss . Zudem kurz angebunden und immer etwas "brummelig" .Dr. Willy Hendrian  kam nach dem 1. Weltkrieg 1919 hier nach Fichtenau und eröffnete seine Praxis . ( Die Fichtenauer mussten bis dahin immer nach Berlin-Friedrichshagen zu einem Arzt .)
 Aber er wurde von den Fichtenauern liebevoll  " Willybald "  genannt , trotz seiner derben An -und Aussprache , z.B. "Hab dir nich so!" oder " Sei keene Memme! oder "Stell dir nich so an !" oder "Hab dir nich so zickich !" oder "albernes Gör !" .  Zur damaligen Zeit wurde noch viel Dialekt gesprochen ! )                                               
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Anmerkung !  Dies ist eine rein private Seite und dient der Geschichtsdarstellung in unserem Gemeindeleben
(Die Seite erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit)
 
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Ab dem Jahre 1892 entstand  am östlichen Rand von Berlin und südlich von "Klein-Schönebeck "- ein neuer Ortsteil -" Neu-Grunewald " genannt , mit Grundsteinlegung , der dann später in "Fichtenau" umbenannt wurde. Berliner Beamte , Industrie Besitzer und Geschäftsleute erwarben hier Grundstücke und bauten schöne Stadtvillen und Häuser .Auch andere Berliner erwarben Grundstücke und erbauten meist Lauben und nutzten die Grundstücke als Wochenendgrundstücke zum Gemüse und Obstanbau .
Der Ausflugsverkehr nahm zu , denn Fichtenau war einmal ein " Luftkurort " auch mit Kurhaus und Kurpark .
In den 1920er Jahren eröffneten dann auch viele Geschäfte und Gaststätten in Fichtenau , die Gaststätten alle mit einer Kegelbahn .
Auch in den 1920 Jahren verbesserte sich dann hier auch die Gesundheitsversorgung . Etliche Ärzte eröffneten hier ihre Praxen ,
darunter war auch der Dr. med. Willy Hendrian .
 
                                       
Ein nachempfundenes Wappen von Fichtenau das kurzzeitig für Fichtenau bei Berlin in den 1920er Jahren existierte .
 
Dieses Wappen hatte später dann auch der Getränkehersteller Karl Woydziak noch verwendet .
 
Scheinbar hing deswegen auch bei Dr. Hendrian in seinem Wartezimmer der Spruch " Gelebt , geliebt , geraucht , gesoffen und nun alles vom Onkel Doktor hoffen " .
 
Ein weiterer Spruch hing auch noch dort : " In der ersten Hälfte seines Lebens opfert der Mensch seine Gesundheit , um Geld zu verdienen , in der zweiten Hälfte opfert er sein Geld , um seine Gesundheit wieder zu erlangen " .
 
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Gründung des Sanitäts-Halbzuges Schöneiche-Kleinschönebeck
Robert Mewes - 1934
Am 7. Januar 1934 fand die Gründung des Sanitäts-Halbzuges von Schöneiche-Kleinschönebeck vom Deutschen Roten Kreuz in "Horns - Kurhaus " statt . Robert Mewes war der Initiator , er übernahm auch die Leitung und Dr. Hendrian war für die ärztliche Ausbildung der Anwärter zuständig , also ein Mitbegründer .
( Weiteres zum Deutschen Roten Kreuz in Schöneiche folgt später in einer extra Galerie , ist in Vorbereitung )
 
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  ( Bitte auf die Bilder klicken , einige erscheinen dann größer )
       
 

Dr. Hendrian eröffnete dann 1919 in der Kaiser-Wilhelm-Straße 29 (heute Brandenburgische-Straße) seine Praxis erst in der unteren , später dann in der mittleren Etage des abgebildeten Hauses . Dort hatte er seine Praxis ,auch mit Wartezimmer, und es befand sich auch seine Wohnung in dieser Etage .

Die Schwester von Dr. Hendrian - Frau Magdalene Bocksch ,wirkte später dort auch als Arzthelferin und Schwester .Bei Ihrer Tätigkeit trug sie immer die Tracht einer Diakonissenschwester .

(Hier ein Bild so einer Schwester beim herstellen der Krause - ist aber nicht Frau Bocksch) .

Auch die Geburtenrate stieg in Fichtenau und mit der Hebamme Frau Clara Wenzel ( Mittelstraße 13 - heute Rosa-Luxemburg-Straße ) verhalf  Dr. Hendrian vielen Fichtenauer Kindern das Licht der Welt zu erblicken .In der Broschüre "Kleinschönebeck und seine Kolonien - 1930 " wurden dann auch beide dort aufgeführt .

Hier wohnte Frau Wenzel damals ( das Haus ist schon zu DDR-Zeiten mal umgebaut worden ,nach der Wende wurde dann groß saniert und umgebaut ) . Auch Frau Wenzel sah man noch bis Anfang der1950er Jahre in Diakonissentracht durch den Ort laufen .

(Bild stellt nur eine Diakonissin dar)

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Dr. Hendrian wirkte nun nicht nur in Fichtenau und Schöneiche ,sondern er arbeitete auch damals noch im 1909 gegründeten Verbandskrankenhaus Rüdersdorf an der Frankfurter Chaussee ( heute B 1 ) und späteren Kreiskrankenhaus Rüdersdorf .

     

Das Krankenhaus im Jahre 1926 .

Bild Links : 1939 wurden noch 4 Baracken errichtet und damit gab es 120 Betten mehr ( die gab es auch noch 1960), Bild-Mitte : So kannte ich das Krankenhaus auch noch im Jahr 1960 , Bild Rechts : Vor dem Abriss 1999 . ( Das Krankenhaus war bis 1967 in Betrieb - von 1965 bis 1967 wurde am Kalksee ein neues Kreiskrankenhaus gebaut und 1967 bezogen . Das Gebäude des alten Krankenhauses wurde noch Jahrelang durch den VEB Zementwerke Rüdersdorf  anderweitig  genutzt .Nach der Wende 1990 wurde das neue Krankenhaus am Kalksee privatisiert - Die Zeit der Macht des Geldes brach an ! )

Gegen Ende der 1930er Jahre bewerkstelligte dann Dr. Hendrian seine Haus und Krankenbesuche mit einem Opel P 4 !

( Herstellungszeit dieses Autos von 1935 - 1937 )

Besondere Verdienste erwarb sich aber Dr. Hendrian in der Kriegs und Nachkriegszeit . Medikamente und Verbandsmaterial wurden und waren knapp, aber er wusste immer einen Rat und half seinen Patienten .

Allerdings muss Dr. Hendrian noch zum Militärdienst in den letzten Kriegsmonaten eingezogen worden sein . Dies geht jedenfalls aus einem Tagebucheintrag hervor, den ich erst jetzt erhalten habe .

Zitat : - letzte Kriegmonate in Pritzen bei Neuruppin - Auszüge aus dem Tagebuch einer 18jährigen
(Thea Jammermann) . (Sie arbeitete dort auf einem Gut als Gutssekretärin - Frauen die in der Landwirtschaft arbeiteten wurden nicht Dienstverpflichtet , wie alle anderen ) .

- 24.4.45 … ich hatte noch eine nette Begegnung. Zwei Krankenschwestern fragten an, ob sie etwa für 30 Mann Quartier bekommen könnten. Als ich sie in einer Scheune untergebracht hatte, fiel plötzlich der Name „Schöneiche“ und „Rüdersdorf“. Als ich danach fragte, erzählten sie mir, dass ihr Oberstabsarzt aus Schöneiche war. Und wer war´s ? Dr. Hendrian. Ich begrüßte ihn und sagte ihm auch, dass er mich mal ein „albernes Gör“ genannt hatte, als ich mich so sehr gegen einen Diphterie-Abstrich gewehrt hatte. Nachher habe ich noch lange mit dem Lazarettzug in der Scheune gesessen und erzählt, Dr. Hendrian konnte sich noch gut an meinen Vater und an meine Schwestern erinnern.
Er wusste aber auch nichts von Schöneiche, am 20. April hatte er das letzte Mal mit seiner Schwester telefoniert, da lag Schöneiche unter Artilleriebeschuss.
Er schlief in meinem Zimmer, ich zog hinunter in den Salon.
Ich glaube nicht, dass wir noch fort müssen. -  (Mit freundlicher Genehmigung von der Schreiberin)

Hier sagte mir allerdings die Schreiberin des Tagesbuches am 19.03.2014 am Telefon , sie mussten doch weiter ziehen in Richtung Westen bis hinter die Elbe . Auch die Schreiberin verlies das Gut und zog auch mit den Gutsleuten in Richtung Westen . Als die Schreiberin nach Kriegsende am 8. Mai 1945 dann im Juni 1945 der Schwester des Doktors von der Begegnung mit Dr. Hendrian berichtete , sagte diese , er habe sich schon telefonisch gemeldet . Dr. Hendrian kam danach, noch 1945, wieder nach Schöneiche und eröffnete wieder seine Praxis .

 Als dann 1945 die Rote Armee den Ort besetzt hatte wurde dem Dr. Hendrian gleich sein Auto eingezogen ( meine Mutter sagte immer, sie haben es ihm geklaut , bei einem Arzt gehört sich das einfach nicht ) .

    

( In diesem Gebäude befanden sich die Garagen , 1. für das Auto vom Lebensmittelhändler Schreiber und 2. für Dr. Hendrian . Weiterhin war dort die Waschküche und etliche Nebengelasse unten und Oben . ) ( Das Gebäude soll wieder rekonstruiert und einer Nutzung zugeführt  werden . )

Aber Dr. Hendrian ließ sich nicht beirren und versorgte seine Patienten weiterhin , da fuhr dann der inzwischen alte Mann bei Wind und Wetter eben mit dem Fahrrad durch den Ort !

Eine große Herausforderung war dann für Ihn , sowie allen anderen Ärzten in Schöneiche nach 1945 ,der massenhafte Zuzug von Kriegsflüchtlingen aus dem Osten . Sie mussten auch alle versorgt werden mit dem wenigen was da war .

   

Die ehem. Rosa-Luxemburg-Schule ( heute Privathaus ) war von ca. 1945 - ca. 1952 ein Kinderheim für Kriegswaisenkinder , sie gingen dann auch hier nach dem Krieg in die Schule , die Klassenstärken damals teilweise 35 Kinder- Klassen teilweise aufgeteilt in A, B, und C - Klassen . ( Ging ja selber zur Schule, darum Zeitzeuge ) Um diese Kinder kümmerte sich auch Dr. Hendrian .

Alte Fichtenauer schmunzeln noch heute wenn die Sprache auf Dr. Hendrian kommt . Es wird immer gleich gesagt ,"Der Toppkieker" .

 

In der Kriegs und Nachkriegszeit war bei einem Hausbesuch von Dr. Hendrian meist mit der Hausfrau der erste Gang in die Küche , bevor es zum Patienten ging , er lüftete dann die Topf und Pfannendeckel die auf dem Herd standen mit den Bemerkungen : " Haste wat  jekocht " , oder " Wat kochste denn " , oder " Kochste  dir ooch wat " . Das war nach dem Krieg nicht immer leicht , mal ein Topf mit viel Wasser und eine Kartoffel reingerieben , oder einen Topf mit viel Wasser und etwas Mehl zur Mehlsuppe oder auch Kartoffelschalen und Brennnesseln . Alle Gärten hier in Fichtenau und Schöneiche wurden in dieser Zeit landwirtschaftlich genutzt , nichts mit Rasen und Blumenrabatten ! Zu der Zeit wurde dann auch viel eingeweckt für die Winterzeit  .

Nach der Gründung der DDR am 07. Oktober 1949 wurde auch das Gesundheitswesen neu aufgebaut . Eben nach dem Motto " Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt " .Vorrangig ging es erst einmal um die Kinder . Hier wurden alles Schöneicher Ärzte mit herangezogen : Dr. med. De la Motte (Rahnsdorfer-Str.) , Dr.med. Uhse -Kinderarzt (ab ca. 1948 bis 1950er Jahre. Die Praxis befand sich im Altgebäude der heutigen Kindertagesstätte "Pusteblume" damals noch Gutenberg-Straße - heute Karl-Marx-Straße) . Dr. med. Hendrian -in Fichenau ,  Dr. Heise , Dr. med. von der Heyden (Waldstraße) , Dr. Syring (Mozartstraße - auch "Spritzen Doktor genannt" - weil er schnell Spritzen verabreichte . Er trug einen kleinen weißen Spitzbart und fuhr zu seinen Patienten mit einem Motorrad "Fichtel & Sachs ". Auch er redete jeden mit "DU" an. ),Dr. Töpfer - Zahnarzt ( Hauptstraße - Straße der Jugend - heute Geschwister-Scholl-Straße ) . Andere Ärzte fallen mir im Moment nicht mehr ein. In den 3 Schulen von Schöneiche ( Dorfschule - Lindenschule - Schöneiche und Bruno-H. Bürgel Schule -Fichtenau ) gab es dann öfter Reihenuntersuchungen für die Schüler . Mal Schutzimpfung , mal der allgemeine Gesundheitszustand (Größe und Gewicht) und mal der Zahnarzt . Bestimmte Impfungen wurden auch im Rathaus durchgeführt .

Unterstützt wurden die Ärzte damals von Krankenschwestern und Schwestern des neu gegründeten Deutschen Roten Kreuzes in der DDR und der Ortsgruppe des DRK von Schöneiche . Auch andere Ärzte tauchten hier auf , sie waren wohl vom Kreis geschickt worden .

   

Wenn ich mich recht erinnere erhielten wir hier auch die Polio - Schluckimpfung mit einem Impfstoff aus der UdSSR im Jahre 1952 ,1953 oder 1954 . Im Internet wird ja behauptet die gab es erst ab 1960 in der DDR , aber vielleicht waren wir damals auch nur die Ersten " Versuchskaninchen " gewesen .

   

Ab den 1950er Jahren gab es dann auch  Gemeindeschwestern mit denen Dr. Hendrian eng zusammen arbeitete . Im Bild Links : Schwester Margarete war die 1. Gemeindeschwester (1950er bis ca. 1960er Jahre) , Kurze Zeit später kam Schwester Gerlinde , die auch später Nachfolgerin von Schwester Margarete wurde (Sie war bis zur Wende 1990 noch tätig ,Im Bild Rechts : Schwester Irene kam dann auch noch dazu . ( 2009 verstorben ) . Schwester Gerlinde sehe ich heute noch öfter . Da die Gemeinde flächenmäßig sehr groß ist so wirkten die Gemeindeschwestern in den einzelnen Ortsteilen .Dazu gab es auch noch eine bzw. mehrere katholische Schwestern als Gemeindeschwester die ebenfalls oft mit Dr. Hendrian zusammen arbeitete .(Die Aufnahme stammt von 1950 , im Hintergrund die Schüler der neu gegründeten DRK -Gruppe - Schöneiche  "Junge Sanitäter" ).

Dr. Hendrian praktizierte bis in sein hohes Alter noch , zum Schluss ohne Hausbesuche dann . Aus Altersgründen schloss dann 1961 der Dr. Hendrian seine Praxis . (Das berichtete meine Mutter mir in einem Brief zu meiner Armeestelle - Es gab ja die Wehrpflicht !) .

Dr. Hendrian verstarb dann 1964 und wurde im Familiengrab auf dem Gemeindefriedhof "Friedensaue" beigesetzt . Dr. Hendrian verdient eine besondere Würdigung weil er am Aufbau von Fichtenau mit beteiligt war und weil er seine Patienten in Fichtenau und Schöneiche besonders in der Kriegs -und Nachkriegszeit aufopfernd zur Seite stand . Er schaute nicht auf Zeit oder Geld ! Er war einfach für jeden jederzeit da ! Manch einen Patienten begleitete er von der Jugend aufopferungsvoll bis zum Sterbebett !  Darum ist es auch wichtig das der Grabstein an irgend einer Stelle auf dem Friedhof "Friedensaue" erhalten bleibt ! So bleibt die Geschichte erhalten ! Viel zu viel wurde schon vernichtet an Geschichte in der Gemeinde und auf dem Friedhof "Friedensaue" inzwischen !

Die Grabstelle von Dr. Hendrian am 29.09.2014 . Der Grabstein wurde inzwischen entfernt , eine Neubelegung fand noch nicht statt .

 

Nach 1964 stand die Praxis einige Zeit leer bevor dann die Außenstelle des inzwischen gegründeten Landambulatoriums hier einzog mit 2 praktischen Ärzten - die sich dann nach der Wende 1990 privatisierten , hinzu kam da noch ein Augenarzt .

   

Das Haus heute , nach 2004 verkauft die Gemeinde das Haus an privat und heute sind nur Wohnungen dort . Auch der ehem. Laden wird nicht mehr genutzt und wohl nie wieder einer werden . ( Lasst uns wieder Mauern bauen ) (Die Geschichte des Hauses erscheint eventuell einmal später )

Mehrere Schöneicher Ärzte sowie Physiotherapeutin und Apotheker schlossen sich zusammen und kauften das "Alte Schöneicher Kino" und bauten es um zu einem Ärztehaus und bezogen es dann 2005 . Auch die Ärzte aus der Brandenburgischen Straße zogen dann mit um .

In der Gesundheitsversorgung  hat sich ja heutzutage inzwischen vieles geändert , es gibt eine mehrklassen Medizin ,oft geht es heute nur im allgemeinen um ...........

( Aber das letzte Hemd hat für alle keine Taschen ! )

Quellennachweis :

1. Eigene Bilder von 2003 bis 2013 ,

2. Bilder eigenes Bildarchiv ,

3. Bild Opel P 4 aus "Deutsche Fotothek" ,

4. Kopie und Infos aus "Kleinschönebeck und seine Kolonien"  von 1930 ,

5. Infos , Bilder sowie Erzählungen von Zeitzeugen .

Wer noch weitere Informationen oder Bilder besitzt kann mir diese gerne zukommen lassen , nehme sie gerne dankend an !

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